" Fakten & Zahlen "
Fakten

 

" Fakten "

  • Über viele Jahrzehnte wurde Alkoholismus in erster Linie als moralisches Fehlverhalten angesehen. Trinken galt als ein Laster, das man sich und anderen nur ungern eingestand. Jellinek, einer der Pioniere der Alkoholkrankheit, beschrieb in den Sechziger Jahren Alkoholismus als "jeglichen Gebrauch von alkoholischen Getränken, der einem Individuum oder der Gesellschaft Schaden zufügt". Laut WHO-Definition werden Alkoholiker als Trinker bezeichnet, die "deutliche geistige Störungen oder Konflikte in ihrer körperlichen und geistigen Gesundheit, ihren mitmenschlichen Beziehungen, ihren sozialen und wirtschaftlichen Funktionen aufweisen". Der Weg im Alkoholiker vor allem einen Patienten zu sehen, wurde erst in jüngster Zeit beschritten. Seit 1968 wurde diese Sucht in der Bundesrepublik als Krankheit definiert - es handelt sich hierbei um ein medizinisch-psychosoziales Problem.
  • Alkoholismus ist eine chronische und in der Regel fortschreitende Suchterkrankung, wobei der Betroffene übermäßig viel Alkohol zu sich nimmt. Man nimmt an, das eine Kombination körperlicher, seelischer, sozialer und erblich bedingter Ursachen für das Entstehen von Alkoholismus verantwortlich ist.

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" Zahlen"

Diese Angaben sind ca. Werte

4 Mio. Menschen gelten in Deutschland als alkoholgefährdet; 3 Mio. als alkoholabhängig. 500.000 davon sind Kinder und Jugendliche. 5 - 7 Mio. Menschen sind als Angehörige vom Alkoholismus mitbetroffen. Daher spricht man beim Alkoholismus auch oft von “Familienkrankheit”.

Alkoholismus ist -neben der Nikotinabhängigkeit- die verbreitetste Sucht, weit vor der Medikamenten- oder Drogenabhängigkeit.

75.000 werden jährlich ein- oder mehrmals in Kliniken entgiftet, nur 30.000 erhalten jährlich fachkundige therapeutische Hilfe. 30.000 Menschen sterben jährlich an den schädlichen Folgen des Alkohols. Die volkswirtschaftlichen Schäden von Alkoholismus sind extrem hoch: Todesfälle, Krankheit, Unfälle, Kriminalität, verminderte Erwerbstätigkeit und Bekämpfung des Alkoholismus produzieren Kosten in Milliardenhöhe.
Ein 45jähriger pensionierter Suchtkranker kostet die Gesellschaft mehr als eine halbe Million DM. Die Kosten für ambulante beziehungsweise stationäre Behandlung liegen zwischen 3.000 und 36.000 DM.

Das Thema “Alkoholabhängigkeit” wird in unserer Gesellschaft oft tabuisiert und bagatellisiert.

Ebenso wird der Alkoholkonsum gefördert und verlangt.

Der pro-Kopf-Verbrauch von reinem Alkohol liegt bei ca. 11 Litern: das entspricht 227 l Bier oder 30 l Korn. Männer trinken etwa doppelt so viel wie Frauen.

Damit gehört Deutschland im Alkoholkonsum zu den größten Alkoholverbrauchern weltweit.

Jährlich werden durch Alkoholsteuern in Deutschland zwischen 7 und 8 Mrd. DM eingenommen. Andererseits wird jährlich der wirtschaftliche Schaden durch den Alkohol auf über 30 Mrd. DM geschätzt. Andere Schätzungen (z.B. der WHO, Weltgesundheitsorganisation) liegen noch wesentlich höher.

Durch den Alkoholkonsum von Müttern während der Schwangerschaft wird ca. jedes 250. Kind geschädigt (Fetale Alkoholsyndrom).

Jährlich sterben an den Folgen von starkem Alkoholkonsum 30.000 - 40.000 Menschen. Allein an Leberzirrhose (Lebervernarbung/-blutung) ca. 17.000.

Alkoholunfälle mit Personenschäden machen ca. 18% der Unfälle aus. Bei Alkoholunfällen sterben jährlich ca. 1.800 Menschen.

1/4 aller Gewaltdelikte geschieht unter Alkoholeinfluss (93% davon von Männern).


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" mögliche Folgeschäden"

Medizinische Folgeschäden können u. a. sein:

akute Alkoholvergiftung
Entzugssyndrome mit Magen-Darm-Störungen , Schlafstörungen oder Kreislaufstörungen
neurologischen Störungen wie Zittern & Gleichgewichtsstörungen
psychische Störungen wie Angst , vermehrte Reizbarkeit , Depressionen oder Sinnestäuschungen
Weitere Erkrankungen sind Erkrankungen -
der Leber der Bauchspeicheldrüse
der oberen Verdauungswege des Magens und des Darms
des Herz,-Kreislaufsystems Muskelerkrankungen
Knochenerkrankungen Förderung von Krebs
der Atemorgane Stoffwechselstörungen
Mineralstoff- und Vitaminmangelzustände Veränderungen des Hormonsystems
des Nervensystems Hirnveränderungen
das Alkoholdelir

 

Psychosoziale Folgen können u. a. sein:

entweder die Konsumenten selbst betreffen (z.B. Führerscheinverlust), das soziale Umfeld (Familie), wie auch die berufliche und wirtschaftliche Situation. In der Familie hat der Alkoholiker oft nicht mehr die Möglichkeit, alle Rollenfunktionen wahrzunehmen, Alkoholismus führt oftmals zur Scheidung (mehr Ehescheidungen als bei Nicht-Alkoholikern). Daraus kann ein Teufelskreis entstehen, der schließlich zur völligen Vereinsamung und zum endgültigen Verfall, dem Alkoholismus, führen kann. Auch Kinder leiden durch den Alkoholismus ihrer Eltern. Die Erziehungsprobleme sind größer, auch die körperlichen und psychischen Beschwerden, verbunden mit schlechteren Leistungen der Kinder, werden beobachtet.
Viele Straftaten und kriminelle Handlungen geschehen unter akuter Alkoholeinwirkung. Dazu gehören Erregungs- und Enthemmungsdelikte mit Körperverletzungen, Sachbeschädigungen, Sexualdelikten und Beleidigungen. Hinzuzufügen sind die Verkehrsdelikte und die häufige Verkehrsunfallflucht. Chronischer Alkoholmißbrauch führt auch zu Persönlichkeitsveränderungen, die wiederum oft kriminelle Handlungen nach sich ziehen. Dies betrifft aber insbesondere Personen, die bereits zur Delinquenz neigen.

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" Psychotherapeutische Hilfe "

Sie ist sinnvoll und notwendig, wenn starke Abhängigkeit besteht, wenn Selbsthilfe alleine nicht ausreicht und/oder wenn die zwischenmenschlichen Beziehungen sehr stark belastet sind.

In der Regel reicht ambulante Psychotherapie aus. Eine stationäre Psychotherapie sollte in Betracht gezogen werden, wenn es keine soziale Unterstützung durch Partner, Familie, enge Freunde gibt, wenn der Partner/die Partnerin selbst abhängig ist, wenn ambulante Psychotherapien mißlungen sind.

Zur Alkoholismusbehandlung gehört in der Regel eine Entgiftung, die -meist stationär- 1-2 Wochen dauert, sie ist bei körperlicher Abhängigkeit unabdingbar vor einer psychotherapeutischen Behandlung.

Die psychotherapeutische Behandlung kann Entgiftungen und das Einhalten von Abstinenz begleiten.

Die meisten körperlichen Alkoholfolgeschäden bilden sich erst nach ein- bis zweijähriger völliger Abstinenz zurück.

Kontrolliertes oder soziales Trinken kann als Behandlungsziel oder Behandlungsprinzip für die Behandlung Alkoholkranker nicht empfohlen werden.( siehe auch Aktion "kontrolliertes Trinken wie lange..")

Ob ambulante, teilstationäre (z.B. Tagesklinik) oder stationäre Behandlung notwendig ist, hängt von der Dauer und Schwere der Alkoholabhängigkeit ab, vom Erfolg früherer Behandlungen, von der Schwere der körperlichen, psychischen oder sozialen Folgeschäden, von der Therapiemotivation, der sozialen Einbettung und den Kompetenzen zur Selbstkontrolle.

Behandlungen gliedern sich in der Regel in die Kontaktaufnahme mit dem Arzt, dem Psychologen oder dem Sozialarbeiter, der Entgiftungsphase, der Entwöhnungsphase, der Weiterbehandlung und der Nachsorgephase.

In der Nachsorge ist unbedingt zu empfehlen, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. Egal ob als Betroffener selbst oder als Angehöriger. Dort findet ihr Menschen, die euch verstehen und mit ihren Erfahrungen weiterhelfen können. Dies ist für den Betroffenen auch einer der Grundsteine, neben dem festen Willen zur Abstinenz, für den angestrebten anhaltenden Erfolg der Trockenheit (Abstinenz). Angehörige können dort lernen mit dem Betroffenen besser umgehen und auch das Erlebte besser verarbeiten zu können.

" Allein schaffst du es , aber allein ist es nicht zu schaffen "

Ein Paar Tipps für den Betroffenen nach dem Entzug :

  • Lerne Leben ohne Alkohol !
  • Bekenne dich offiziell zu deiner Alkoholkrankheit -
    so kannst du Rückfälle vermeiden
  • Besuche regelmäßig eine Selbsthilfegruppe
  • Gebe deinem Leben einen neuen Sinn, setze dir neue Ziele und Wertbezüge
  • Gestalte dein Leben in freier & persönlicher Entscheidung
  • Baue dir eventuell (neue) berufliche Perspektiven auf
  • Suche dir einen (neuen) Freundes- und Bekanntenkreis
  • weitere nützliche Tipps unter : 11 Tipps für die Trockenheit sowie unter Saufdruck was nun ?


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