STELLUNGNAHME

der fünf Selbsthilfe- und Abstinenzverbände
zum „ Ambulanten Gruppenprogramm zum kontrollierten Trinken “ (AkT)

Die gemeinsame Stellungnahme der 5 Selbsthilfe- und Abstinenzverbände ist inzwischen miteinander abgestimmt
und zur Veröffentlichung freigegeben.

Für den Inhalt der hier veröffentlichten Stellungsnahme
übernehme ich keine Verantwortung, der Beitragende
ist für sich selbst verantwortlich.
gez. Thomas Webmaster von alkohol-hilfe.de

( Entwickelt von Prof. Dr. Joachim Körkel, erprobt in der PSBB für Suchtkranke
des Caritasverbandes Nürnberg )

Das von Prof. Dr. Joachim Körkel ( Nürnberg ) entwickelte „Ambulante Gruppenprogramm zum kontrollierten Trinken“ ( AkT ) hat zum Ziel, Veränderungsprozesse bei Menschen, die ihren Alkoholkonsum als problematisch einschätzen, mit Methoden der Verhaltenstherapie zu bewirken und zu unterstützen. Es möchte konkrete Hilfen zur Reduzierung des Alkoholkonsums bieten.

Das Gruppenangebot richtet sich an Personen, die an einem unschädlichen Alkoholkonsum interessiert sind, und es schließt daher insbesondere die Personengruppe ein, die riskanten oder bereits schädigenden Alkoholkonsum betreibt und vom bestehenden Hilfesystem bisher nur zu einem kleinen Teil erreicht wird. Zu diesem Personenkreis können auch Alkoholkranke gehören, die bisher ihre Krankheit noch nicht erkannt bzw. vor ihr noch nicht kapituliert haben.

Das AkT resümiert: „ Wenn Ihnen das Ziel der Abstinenz ... momentan unrealistisch hoch gesteckt oder aus einem anderen Grund nicht erwünscht erscheint, kann kontrolliertes Trinken die zweitbeste Alternative zu unkontrolliertem Zuviel Trinken sein.“ ( Ausführliche Informationen sind der WebSite www.kontrolliertes-trinken.de zu entnehmen .)

Das Abstinenzziel als „ Ziel erster Wahl “ wird von Körkel ( nach wie vor ) für diejenigen Personen in Betracht gezogen,

- die bereits abstinent leben,
- die körperlich vorgeschädigt sind und bei denen sich der Gesundheitszustand durch weiteren Alkoholkonsum verschlimmern würde,
- die bereits körperliche Entzugserscheinungen erlebt haben,
- die eine Schwangerschaft planen oder schwanger sind,
- bei denen es bereits zu unbedachten Handlungen unter Alkoholkonsum gekommen ist,
- die Medikamente einnehmen, die nicht zusammen mit Alkohol genommen werden dürfen.

Körkels „ Ambulantes Gruppenprogramm zum kontrollierten Trinken “ möchte für Menschen mit riskantem Alkoholmissbrauch präventive Maßnahmen anbieten und ein Instrumentarium zur Selbsteinschätzung und „ Diagnostik “ bieten. Es möchte weiterhin Hilfe anbieten, bevor Alkoholabhängigkeit entsteht. Schließlich beabsichtigt es, den Zugang zu therapeutischen Hilfen zu erleichtern, wenn jemand sich klar darüber wird, alkoholkrank zu sein.

Kritische Bewertung :

Die Vorsitzenden und Geschäftsführer der fünf in der Deutschen Hauptstelle gegen die
Suchtgefahren ( DHS ) vertretenen Selbsthilfe- und Abstinenzverbände ( d. s. Blaues Kreuz in
Deutschland, Blaues Kreuz in der Evangelischen Kirche, Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe,
Guttempler in Deutschland und Kreuzbund ) kritisieren am vorgelegten „ AkT “ die nicht klar genug definierte Zielgruppe des Programms, die sowohl Risikotrinker und Missbraucher wie auch zugleich Alkoholkranke umschreibt. Die Unschärfe dieser Zielgruppenbeschreibung kann fatale Folgen zeitigen,da sich für Alkoholkranke die (lebenslange und unbedingte) Abstinenzverpflichtung - wie von Körkel sogar selbst „ in Betracht gezogen “ ( s. o. ) - per se aus der Alkoholkrankheit ableitet und ergibt. Im Gegenteil würde sich nach Überzeugung der unterzeichneten Verbände ein Angebot zum kontrollierten Trinken - wie jahrzehntelange Erfahrungen dokumentieren - für Alkoholkranke rückfallgefährdend, krankheitsverlängernd und somit gesundheitsschädigend auf diese Zielgruppe auswirken.

Desweiteren wird von den Verbänden der Sucht - Selbsthilfe in Zweifel gezogen, ob sich die primär angesprochene Gruppe der Risikotrinker und Missbraucher tatsächlich klar genug von der der Alkoholkranken abgrenzen lässt, da sich sehr häufig Risikotrinken bzw. missbräuchliches
Konsumieren als Vorstufe einer manifesten Alkoholabhängigkeit darstellt.

Das Postulat der Selbsthilfe- und Abstinenzverbände zur Notwendigkeit einer lebenslangen
Abstinenzverpflichtung für alkoholkranke Menschen galt und gilt über alle Verbandsgrenzen
hinweg. Z. T. über 100 Jahre lange Erfahrungen haben die Berechtigung, Gültigkeit und Richtigkeit
dieses Postulats immer wieder neu untermauert. Die Selbsthilfe- und Abstinenzverbände sehen aus
ihrer langjährigen Erfahrung heraus die Abstinenz vom Alkohol als Idealziel und beste Lösung an.
Gleichwohl sind sie für jede differenzierte fachliche und inhaltliche Diskussion offen, so lange sie
sich an repräsentativen Ergebnissen und an klarer Problemdefinition orientiert. Die Verbände der
Sucht - Selbsthilfe lehnen jede Form von Pauschalisierung in Bezug auf den Umgang mit „
Kontrolliertem Trinken “ ab, so lange nicht darauf hingewiesen wird, dass kontrolliertes Trinken nur dann „ funktionieren “ kann, wenn :
a ) therapeutische Unterstützung gewährleistet ist,
b ) der jeweilige Abhängigkeitsgrad klar definiert ist,
c ) Zutrauen in die eigene Kontrollfähigkeit und Disziplinierung besteht und
d ) das unterstützende Umfeld mit einbezogen wird. Jede Unterschlagung eines dieser Faktoren
führt in eine unfachliche Diskussion.

Diese auf Erfahrungen gegründete und damit belegte Notwendigkeit einer lebenslangen Abstinenz
für Alkoholkranke gilt es, dauerhaft und unmissverständlich zu vertreten und zu untermauern.
Jeglicher Infragestellung einer solchen Notwendigkeit für alkoholkranke Menschen treten die
Unterzeichner entschlossen und geschlossen entgegen. Alkoholkranken Menschen bleibt daher -
trotz gegenteiliger Behauptungen mancher deutscher und europäischer Wissenschaftlicher - „ keine
andere Wahl “, als sich nach dem Eingeständnis, alkoholkrank zu sein, für die Abstinenz vom
Suchtmittel zu entscheiden. Es wäre jedenfalls fahrlässig und gefährlich, wenn einem
Alkoholkranken aufgrund des AkT suggeriert würde, ( wieder ) kontrolliert trinken zu können.

Hamm, 26. Oktober 2000
Heinz-Josef Janssen
Bundesgeschäftsführer des Kreuzbund e. V
(im Auftrag der Selbsthilfe- und Abstinenzverbände)